VOM & ÜBER DEN FILM

 

Der Versuch vom Glück

Der Versuch vom Glück

Sabine und Michael lieben sich.
Sie will ein Kind.
Er hat schon eins.

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Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann – solche und ähnliche Weisheiten gibt es zur Genüge. Die Weisheiten gelten eigentlich immer, nur nicht, wenn man sie wirklich gebrauchen könnte. Dann, wenn es konkret wird, bleibt man schön auf dem eingeschlagenen Weg.

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Michael und Sabine, beide um die 40. Beide freiberuflich. Sie leben in Hamburg. Sie will ein Kind. Er hat schon eins.
Sie will, was viele wollen: ein Kind mit ihm teilen. Ein eigenes Kind. Er hat nämlich schon eins. Jona, Sohn aus einer früheren
Beziehung. Alles gut mit Jona, aber sie würde auch gerne ein eigenes Kind haben wollen. Sabines Wunsch ist für Michael nicht unproblematisch. Ihr Wunsch ihr Leben mit Kindern zu teilen ist nicht sein vorangiges Ziel
im Leben – im Gegenteil. Trotzdem entschließen sich die beiden dazu und als Sabine schwanger ist, kann ihr Glück nicht größer sein. Das neue Herz schlägt und gibt den Rhythmus. Die schlechte Laune der ersten Wochen wird von einer Intimität begleitet die der
Realität das Lächeln schenkt.

Und dann verliert Sabine das Kind. Nichts Ungewöhnliches.
Sabine ist traurig, aber nicht erschrocken.
Michael sagt nichts.
Alles geht so weiter wie immer.

Sabine fängt an zu boxen.
Er arbeitet viel.
Sie sehen sich wenig.

Der Sex wird weniger und als sie ihn eines Morgens darauf anspricht, darauf, daß sie so kein Kind bekommen werden,
so, ohne Sex, da sagt er, dass er gar nicht weiß, ob er das noch will, ein Kind.
Sie ist vor den Kopf gestoßen.
Er ist sprachlos.
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Unaufdringlich folgt die Regisseurin den beiden Protagonisten und läßt sie nicht los. Das Aushalten der Momente und Szenen, der Situationen erinnert in seiner Konsequenz an die Wiederholung der Bewegungen der Tänzer von Pina Bausch- immer wieder laufen sie um den Stuhl. Immer wieder versucht Sabine zu verstehen. Helene Grass spielt diese Sabine mit einer Kraft und Innigkeit, mit einer ruhigen Besessenheit und Ehrlichkeit. Stephan Szász ist ihr Spiegel. Der Mann an ihrer Seite. Der Mann, der am liebsten nur kiffen und seine Ruhe haben will.

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Jenseits eines Retrorealismus, ist der Blick auf die beiden ein Blick auf das eigene Leben. Jeder kennt sie diese Geschichte – von dem einen, der will, von dem anderen, der nicht will. „Such dir doch einen anderen, das traust du dich nämlich nicht“, sagt er und da, da wird sie wütend. Endlich.

 

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Maike Mia Höhne sagt über ihren Film: 3/4 ist ein Film, in dem ich mich formal an der kleinen Form orientiert habe, die Roland Barthes in seinen Vorlesungen “ Die Vorbereitung des Romans“ entwickelt hat. Die kleine Form schafft es, im besten Falle einzufangen, was das Leben ist – das Echte, den Moment.
Im japanischen Haiku passiert für ihn so etwas: das Leben blitzt auf. In 3/4 sind es Sabine und Michael, die sich auseinandersetzen. Der Weg führt durch den Alltag – das Leben blitzt ihnen entgegen. Mehr noch die Notwendigkeit sich zuzulassen und gleichzeitig bei sich zu bleiben. Und auf der anderen Seite steht das Aushalten. Pina Bausch läßt die Tänzer noch und wieder gegen die Wand laufen- verschiedene Lesarten und körperliche Zustände, die sich beim Erleben dieses Theaters im Zuschauer ereignen. Manchmal ist es eben dieses noch und wieder, daß erst eine Konsequenz erlaubt.

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